Thursday, January 4, 2007

Die neue Zerhackstückelung der Welt

Die neue Zerhackstückelung der Welt

Rudolf Stumberger 03.01.2007

Der Bürger-Journalismus als Farce der Partizipation

Dass sich Geschichte nur als Farce wiederholt, wer möge dies angesichts der neuesten - im technokratendeutsch würde man sagen "Implementierungen" - im journalistischen Felde bestreiten. Der Bürger wurde als Journalist und Kommentator des Weltgeschehens entdeckt und ist jetzt aufgefordert, eine "völlig neue Art von Journalismus" zu betreiben, so etwa die [extern] ReadersEdition, ein Ableger der "Netzzeitung". Die "Bild-Zeitung" ist von ihren [extern] Leser-Reportern begeistert und die "Welt" [extern] weiß gar: "Der Laienjournalismus verändert die Medien."

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Ist er also wahr geworden, der Traum der bärtigen Alt-68-er, die mit der Parole "Jeder ein Sender, jeder ein Empfänger" auf den Lippen jahrzehntelang das hohe Lied der Graswurzelmedien sangen?

Freilich, dass die schreibende oder fotografierende Beteiligung der Bürger ein völlig neuer Journalismus sei, kann nur behaupten, wer seinen historischen Horizont an der Erfindung der "Kinderschokolade" ausrichtet. Es waren die Zuschriften der Arbeiter aus St. Petersburg und Moskau an die im Genfer Exil sitzende Redaktion der Zeitschrift "Iskra" (der Funke) Ende des 19. Jahrhunderts, die den Ursprung der so genannten Volkskorrespondenten in der späteren Sowjetunion bildeten.

Arbeiter und Bauern betätigten sich als Laienjournalisten und lieferten Beiträge für die Zeitungen. 1925 gab es rund 150.000 dieser Korrespondenten. Diese Zulieferung von publizistischem Material durch Bürger beschränkte sich nicht auf den Text, sondern die Laienreporter griffen auch zur Kamera. Es ist schon eine gewisse Pointe der Geschichte, dass der Bildzeitungs-Bürger-Fotoreporter sozusagen - jedenfalls medienhistorisch - in die Fußstapfen des Foto-Volkskorrespondenten der Sowjetunion tritt - rund 100.000 derart mit einer Kamera bewaffneten Genossen soll es damals gegeben haben.

Verblüffend sind auch die Parallelen zwischen Bolschewiken und Bildzeitung - das Denunziantentum zum Beispiel. Wo der Volkskorrespondent aufgerufen war, die Folgen des Alkoholismus am Arbeitsplatz zu fotografieren und an der Fabriks-Wandzeitung anzuprangern, fotografiert der moderne Bildzeitungsvolkskorrespondent gerne den [extern] motorrollerfahrenden Polizisten ohne Helm - "BILD-Leser-Reporter Ronald Prinke (38) kassierte 500 Euro für das Foto von diesem Polizisten, der ohne Helm durch Berlin fuhr."

Im Laufe des ersten Fünf-Jahres-Plans der Sowjetunion nahmen die Fotokorrespondenten an sogenannten "rejdy" teil - publizistische "Sturmangriffe" der Laienjournalisten, die einen Betrieb und ein Dorf nach dem anderen aufsuchten und inspizierten. Auch die Aktion der Bildzeitung kann man sich als einen allgemeinen Sturmangriff der Bürger auf sich selbst vorstellen, wenn auch "Bilder, auf denen ‚nur' der Promi oder das Naturereignis zu sehen sind", die "beste Chance auf Veröffentlichung" haben.

Gleichwohl, wo der Volkskorrespondent immerhin noch in einem sinnhaften (wenn auch streng ideologischen) Zusammenhang eingebettet war, ist das Ergebnis der heutigen Volkskorrespondenten die endgültige Zerhackstücklung der Welt auf niedrigstem Niveau. Wenn Verleger in Sonntagsreden gerne auf die zunehmende Bedeutung des Journalismus als Orientierungsgeber in einem unbegrenzten Ozean an fragmentierten Daten und Einzelphänomen hinweisen, ist diese Anhäufung von subjektiven Ansichten genau das Gegenteil. Der "Bild-embedded" Handy-Amateur-Journalist liefert pixelbasierte Bildfetzchen, die ohne jeden Zusammenhang durch das virtuelle visuelle Universum treiben. Ob Meerschweinchen mit Nikolausmütze, "Pop-Titan" Dieter Bohlen auf Mallorca mit Bildzeitung (was sonst!) oder Komiker Alexander Duszat während eines Spiels Alemannia Aachen gegen Bayern München - es ist egal.

Dieses Prinzip herrscht auch auf den Seiten von "ReadersEdition". Hier gönnt man sich sogar eine Rubrik "Lokales", was angesichts der Ortlosigkeit des Internet eine echte Herausforderung darstellt. Es wundert eigentlich nicht, dass dort dann vom Abschied von Frau Christa Eßmann nach einem Vierteljahrhundert Dienstzeit am Gymnasium Johanneum in Wadersloh berichtet wird, neben dem Bombenfund in Bad Oldesloh und der Wasserausstellung in Spaichingen, wo immer diese Orte sich auch befinden. Oder dass im Ressort "Politik" "auch im neuen Jahr" die Kritik an der bundesdeutschen Politik einfach "weitergeht".

Es ist nicht die Idee der Graswurzelmedien, die in diesen Foren Leben eingehaucht wird - denn das würde - ebenso wie bei den sowjetischen Volkskorrespondenten - so etwas wie einen Sinn- und Handlungszusammenhang voraussetzen. Und es ist auch nicht das Niveau der Texte und Bilder aufs Korn zu nehmen. Bestürzend allerdings ist, wie den Bürgern ihre eigene Bedeutungslosigkeit zynischerweise unter dem Label eines "partizipativen Journalismus" vorgeführt wird. Sie können alles schreiben und abbilden - denn es ist ohne Belang, ihre Statements gehen den Weg in den medialen Orkus, verlieren sich in Beliebigkeit und Zusammenhanglosigkeit. "Wer sind diese Leute?", lautet folgerichtig ein Kommentar zu den "Volksbildern" auf Bild.

Man könnte unter dem Stichwort Bürgerjournalismus hellhörig werden, wenn plötzlich Volkes Stimme gefragt wäre - Grund dazu gäbe es ja angesichts der auseinanderdriftenden Welten von Politikern und Bürgern. Doch diese "neuen" Foren des "Bürgerjournalismus" gehorchen einem Prinzip, das die Partizipation selbst wieder aufhebt und das der französische Medientheoretiker Régis Debray für die Welt der Bilder so formuliert hat: "Wenn alles zu sehen ist, ist nichts mehr von Wert."

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24364/1.html

Kurzhörspiel 2.0

Kurzhörspiel 2.0

Wolf-Dieter Roth 04.11.2006

Das "Blogspiel": Hörspiele vom Audioblog aus dem Internet zurück ins Radio

Eigentlich kann sich die Kreativität von Rundfunkmachern und Internetaktiven gegenseitig viel geben. Leider waren die Fürsten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den vergangenen Jahren allerdings eher der Ansicht, nicht nur das WWW, sondern das gesamte Internet bekämpfen oder vereinnahmen zu müssen und Audio sowie Video im Netz lösten deshalb bei ihnen eher Angst – und Hoffnung auf Rundfunkgebühren – aus. Zwei Blogger und Rundfunkmacher aus Berlin haben es jetzt jedoch geschafft, die beiden Medien friedlich zusammenzuführen: Die erste daraus entstandene Sendung steigt heute nachmittag.

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Das Hörspiel, das den Kinobesuch solange ersetzte, bis Spielfilme auch im Fernsehen gelandet waren, hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren, weil kaum jemand noch die Geduld hat, nach Programm geduldig vor dem Gerät zu sitzen und die Fernsehzeitschriften auch nur noch selten das Radioprogramm abdrucken. Kurzhörspiele hatten besonders schlechte Karten: Wer stellt sich schon für ein fünf oder zehn Minuten langes Hörspiel den Wecker?


Unerwartet wiederbelebt wurde der klassische Wortbeitrag des Radios jedoch als Podcast in der Kombination des auf einem Webserver abgelegten Audiofiles im MP3-Format, das mit einem entsprechenden portablen MP3-Abspielgerät aber nicht mehr unbedingt am Computer gehört werden muss, sondern beispielsweise in der U-Bahn auf der Fahrt in die Arbeit. Dies hat zweierlei Vorzüge: erstens gibt es keinerlei Empfangsprobleme – Radiohören in der U-Bahn dürfte sich im Vergleich ziemlich schwierig gestalten – und zweitens ist man vom Sendeplan eines Rundfunksenders unabhängig: Das Hörspiel ist bereits aufgezeichnet und kann nach Belieben auch unterbrochen und später weiter angehört werden, was bei Audiostreams beispielsweise nicht so elegant klappt.

Die klassische frühere Hörspiellänge von einer Stunde oder mehr, entsprechend einem Theaterstück oder Spielfilm, hat sich im Internet allerdings bislang nicht durchgesetzt, obwohl der Hörspiel-Krimi [extern] "Blutiger Fußball" in Fortsetzungen als Podcast recht erfolgreich war. Normal hat die "Generation Ipod" jedoch nicht die Ruhe und Muße, einen Wortbeitrag so lange am Stück anzuhören – ähnlich wie beim Handyfernsehen wird nur kurz eingeschaltet. Typische Podcasts sind deshalb nur eine Handvoll Minuten lang.

Im Gegensatz zum Massenmedium Rundfunk sind Podcasts ähnlich wie Webradios Nischenmedien: Wie bei anderen privaten Homepages auch, sind dreistellige Abrufzahlen hier bereits als (unter Umständen bereits viel Geld kostender) Erfolg zu rechnen. Wer allerdings einen Podcast einmal abonniert hat, liebt ihn dann auch und bleibt ihm treu, so wie einst den Radioserien oder später TV-Serien und Soaps. Und natürlich finden sich hier im Audio-Web so einige Juwelen, bei denen es sich auch lohnen würde, sie in einer normalen Rundfunksendung den Hörern zu präsentieren, die sich nicht selbst mühsam ihre Hörspielkost im Web zusammenklicken wollen.

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[extern] Jana Wuttke und [extern] Markus Heidmeier sind einerseits Blogger und Podcaster, andererseits seit Jahren als freie Mitarbeiter im Radio tätig – beides aus Begeisterung. Bekannt wurde von ihnen beispielsweise die [extern] "Wurfsendung", eine Kurzhörspielreihe, die auch als Podcast abrufbar ist.

Da sie beide Welten kennen und auch die entsprechenden Kontakte hatten, riefen sie nun das [extern] "Blogspiel" ins Leben – eine Kreuzung aus Audio-Blog und Hör-Spiel; eine Website, auf der Podcaster ihre Beiträge ablegen können, wo andere Besucher der Website sie [extern] anhören und [extern] bewerten können – wöchentlich wird der Bewertungssieger [extern] zusammen mit Neuigkeiten aus der Podcast-, Hörspiel- und Rundfunkwelt in der [extern] gleichnamigen Rundfunksendung jeden Samstag um 16.30 Uhr im [extern] Deutschlandradio Kultur vorgestellt.

Obwohl Markus und Jana bislang nur innerhalb der Blog- und [extern] Podcastszene, in Foren und in [extern] Kommentaren die geplante neue Sendung bekannt gemacht haben, sind zum Start bereits über 40 Beiträge eingegangen, von [extern] interessanten Geräuschexperimenten bis zu [extern] zwischenmenschlichen Gedankengängen.


Als Novum im Radio – beim Fernsehen ist es gang und gäbe – haben die beiden eine eigene Produktionsfirma gegründet, [extern] Trigger 23. Der in der Podcastszene bereits bekannte Philip Banse vom [extern] Küchenradio wird die Sendung moderieren, die während der Entstehung dieses Artikels noch produziert wurde, während die letzten Teilnehmer bis Freitag um Mitternacht ihre Podcast-Beiträge auf die Blogspiel-Website luden.

Während in einer Pressekonferenz Bedenken geäußert wurden, es könnten jugendgefährdende Beiträge eingereicht werden, wird hier auf die Selbstreinigungskräfte der Podcast-Community gesetzt, in der mit solchen Aktionen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Erst 24 Stunden vor der ersten Sendung wurde es erstmals nötig, einen Beitrag zu entfernen, in dem das Lied "99 Luftballons" von Nena "kreativ gerülpst" wurde: [extern] "Sorry – das muss raus", so das Blogspiel-Team, was sich wahrscheinlich auch der musikalische Rülpser gedacht haben wird, doch nicht die unartigen Geräusche, sondern die dadurch verletzten Urheberrechte waren der Grund, dass die 99 gasgefüllten Luftballons platzen mussten.

Neuer Volkssport für Diktatoren: Jagt den Blog!

Neuer Volkssport für Diktatoren: Jagt den Blog!

Karl Wassilios Aswestopoulos 02.11.2006

Abmahnung, Bloggen und Rechtradikalismus auf griechisch

Dass [extern] Blogger teilweise gefährlich leben, [extern] ist bekannt. Wenn irgendwo in der Welt ein Blogger verhört, verklagt oder verhaftet wird, fällt es kaum mehr auf; selbst bei hauptberuflichen Journalisten führt derartiges ja außerhalb der eigenen Kreise nicht mehr zur Empörung, sondern wird achselzuckend als "Berufsrisiko" angesehen ("selbst Schuld"). Im Zeitalter von [local] Guantanamo, [extern] Yahoo-Zensur, [local] Google-Filtern und organisierten Massenabmahnungen würde normalerweise niemand mehr Notiz von einem unglücklichen Griechen nehmen, der wegen einer Weblogverlinkung vor den Kadi gezerrt wurde.

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In den meisten internationalen Medien taucht hin und wieder eine Randnotiz auf, dass in China oder im Iran ein regimekritischer Blogger zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Es wird erwähnt, dass Chinesen sich mittlerweile registrieren lassen müssen, wenn sie [extern] im Internet aktiv sein wollen.

Wen interessiert das?

Wer aber kümmert sich um so etwas Unprickelndes wie europäische Abmahnungen, wo doch schon die in Deutschland mittlerweile kein journalistisches Thema mehr sind? Wer, außer einen kleinen Gruppe von Unbeugsamen, die meist netzintern gegen oft unberechtigte Netzzensur oder [local] netzbedingten Machtmissbrauch kämpfen, stört sich noch am täglichen Griff in die Taschen und Privatsphäre der kleinen Leute?

Artikel, die im Internet kursierende Bewerbungsversuche von Möchtegern-Bill Gates-Imitatoren behandeln, stoßen bei der Leserschaft mittlerweile ebenfalls nur noch [local] auf geteiltes Interesse und das gleiche Schicksal hat auch Endzeitpropheten, Verschwörungsreporter, Pseudowissenschaftler und Rassentheoretiker ereilt. Zwar taucht hier und da noch ein Buch des ewig auf der Suche nach reisenden Göttern befindlichen [extern] Erich von Däniken auf, aber wer interessiert sich heute noch für ihn und seine Plagiatoren?

Obwohl der Rechtsradikalismus in der ganzen Welt eine [extern] zunehmende Gefahr darstellt, werden die rechtsextremen Theoretiker mittlerweile kaum mehr beachtet. Selbst in den USA, in denen rechtes Gedankengut gefahrloser als in Deutschland verbreitet werden kann, ist ein Fred A. Leuchter allenfalls ein [extern] Google Video wert.

Ebenso gering wie am Internet und der stetig wachsenden Menge an Spinnern ist das Interesse der übrigen Welt an Griechenland. Die Griechen müssen sich schon selbst belauschen, um eine Erwähnung in der internationalen Presse zu [local] finden.

Woher das Interesse?

Umso seltsamer erscheint es, dass die durch einen rechtsradikalen Fernsehprediger veranlasste Verhaftung eines griechischen Blog-Beobachters als Meldung um die Welt ging. Sowohl die [extern] englischsprachige als auch die [extern] deutschsprachige Presse fanden den Vorfall erwähnenswert. Bereits am 30.10.2006 erschienen entsprechende Veröffentlichungen. Komisch, dass die griechische Presse selbst erst nach Tagen [extern] reagierte.

Was ist geschehen?

Der für seine abstrusen Ansichten bekannte Fernsehmoderator [extern] Dimosthenis Liakopoulos hatte eine Klage gegen jede greifbare Person eingereicht, die ihn als Person kritisierte. Anlass war ein satirischer Angriff auf Liakopoulos auf der Bloggerseite [extern] funEL. Die funEL-Autoren haben es geschafft, einen Menschen, der trotz eines Studienabschlusses in Physik die Erde als innen bewohnte Hohlkugel beschreibt und dazu die Existenz der Zentauren auch heute noch propagiert, lächerlicher zu machen, als er es selbst je konnte.

Liakopoulos, der seinen gesammelten Unsinn im eigenen Verlag in Büchern publiziert und in eigenen Fernsehverkaufsshows die Bücher mehr oder minder erfolgreich verbreitet, ist darüber hinaus bekennender Antisemit und Rassentheoretiker. Liakopoulos ist einer der Wenigen, die im [extern] Mord an Anna Politkovskaya eine positive Demonstration der Regierungskraft von Vladimir Putin sehen. Fast jede seiner Veröffentlichungen oder Fernsehansprachen würden ihm in anderen Staaten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit arge juristische Probleme bereiten. Doch Griechenland ist dafür bekannt, dass man alles sagen kann, was man möchte, es sei denn, [local] man begegnet einem Journalisten.

Da funEL in den USA registriert ist und die dortigen Netzbetreiber Userdaten nur bei einem offensichtlichen kriminellen Missbrauch heraus geben, konnte Liakopoulos seine Kritiker nicht direkt bestrafen. Da aber jemand für die "Majestätsbeleidigung" des Propheten des neuen Byzantinischen Weltreichs bestraft werden musste, traf es den Betreiber einer griechischen Blogseite, Herrn [extern] Tsiropoulos. Tsiropoulos hatte dummerweise einen RSS-Newsfeader, der griechischsprachige Seiten mit seinem Log verlinkt. funEl war dort als griechischsprachige Webseite eingetragen.

Demnach hat er nach Auffassung der griechischen Strafverfolgungsbehörden die Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Liakopoulos unterstützt. Grund genug, ihn festzunehmen, über Nacht einzusperren und am nächsten Tag in Handschellen vor ein Schnellgericht zu zerren. Das Gericht selbst beschloss, den Vorfall weiter zu verweisen.

Wer steckt hinter den Veröffentlichungen?

Griechenland rühmt sich dafür, die Meinungsfreiheit und die Informationsfreiheit zu verteidigen. Dies betonte der Ministerpräsident Griechenlands, [extern] Kostas Karamanlis just in seiner Eröffnungsrede zum Internet Governance Forum ([extern] IGF, das unter der Schirmherrschaft der UN gerade dann in Athen stattfand, als Tsiropoulos die Meinungsfreiheit auf andere Art und Weise genießen durfte. Karamanlis betonte:


Ladies and gentlemen, openness, simplicity, freedom in accessing and receiving information, along with its distributed nature, are among the main principles the Internet's success has been based on.

Das griechische Internetportal [extern] www.in.gr hatte pünktlich zur Verhaftung des Bloggers einen Artikel platziert, der die Verhaftungen von Bloggern in China [extern] anprangerte. Offensichtlich wurde diese Bigotterie einigen Bloggern zu viel. Sie sorgten nicht nur für Proteste während des IGF gegen die Verhaftung, sondern auch für die Verbreitung der Nachricht über die Verhaftung innerhalb der Blogszene. Fragt sich, ob die Verlinkung des vorliegenden Artikels in Griechenland einen weiteren Blogger ins Gefängnis bringt.

Es ist anzumerken, dass die Verhaftung und die Vorführung vor ein Schnellgericht dem griechischen Recht entsprechen. Die griechische Exekutive ist nominell unabhängig von Weisungen der griechischen Regierung. Es steckt also kein Skandal dahinter, für den ein Regierungsmitglied seinen Kopf hinhalten müsste. Es ist halt nur peinlich.

Nachzutragen bleibt, dass während der Tagung des IGF die Schließung des einzigen unabhängigen, staatlich finanzierten [extern] kulturpolitischen Webportals ohne großes Medieninteresse durch die griechische Regierung beschlossen und verkündet wurde. Im Ausland nimmt bestimmt niemand Notiz davon. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23885/1.html